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Sommersonnenwende – Bedeutung ritueller Übergänge im Leben

Ein Traum sind diese lauen, warmen Sommernächte in denen es nicht dunkel zu werden scheint. Von Tag zu Tag lässt die Finsternis der Nacht länger auf sich warten – bis zur Sommersonnenwende. Etwa 17 Stunden dauert dieser 21. Juni, die darauffolgende Nacht nur 7 Stunden. Dieser Tag im Jahreskreis war (und ist) ein wichtiger Eckpunkt für die Landwirtschaft und damit für die Lebensgrundlage. Aber er ist auch Teil kulturellen Erbes geworden und ist mit tausendjährigen Traditionen und Ritualen verbunden. Das stärkt nicht nur die Bindung zwischen den Völkern, sondern auch die Verbundenheit zur Natur.

Die Sonne steht zur Sommersonnenwende im Zenit

Mit der Sommersonnenwende ist der längste Tag des Jahres und damit die maximale Zeitspanne zwischen Sonnenaufgang und Untergang erreicht. In der Schweiz fällt dieser Tag – wie auf der gesamten Nordhalbkugel – normalerweise auf den 21. Juni, in Schaltjahren auf den 20. Juni. Auf der Südhalbkugel ist die Sommersonnenwende hingegen im Dezember. Die Sonne markiert mit ihren Wendepunkten und den Tag- und Nachtgleichen vier Punkte im Jahreskreis, die sich kreuzförmig gegenüberstehen. Diese Jahreseinteilung ist der älteste Kalender der Welt und hat das menschliche Sein seit Beginn geprägt. Nahezu alle alten Kulturen haben sich daran orientiert und sich danach ausgerichtet. Auf der Bahn der Erde um die Sonne zeigt ein Halbjahr lang die nördliche und ein Halbjahr lang die südliche Halbkugel mehr zur Sonne.

Zur Sommersonnenwende hat die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne den Punkt erreicht, wo die Sonne genau senkrecht im Zenit steht. Zenit bedeutet, dass die Sonne von der Erde aus gesehen seinen höchsten Stand erreicht hat und senkrecht auf uns herunterschaut. Ab diesem Punkt wendet sich die Nordhalbkugel wieder stärker von der Sonne ab und wandert in Richtung Äquator. Die Tage werden nach dem 21. Juni wieder kürzer und die Nächte länger – bis zum Tag der Wintersonnenwende am 21. Dezember.

Rituale und deren Bedeutung

Bereits vor Jahrtausenden wurde die Sommersonnenwende ausgiebig gefeiert und zählt zu den ältesten Bräuchen der Welt. Auch die Kelten und Germanen haben dem längsten Tag, der der kürzesten Nacht gegenübersteht, eine besondere Bedeutung beigemessen. Sie feierten den Beginn des Sommers, den Beginn des Wachsens, der Sonne und Fruchtbarkeit: Die Zeit des Überflusses und des Reichtums als ein Geschenk der Natur. Mit der Sommersonnenwende begann eine sorglosere Zeit, in der das Überleben sehr viel einfacher war. Die Kelten feierten die Sommersonnenwende mit zahlreichen Ritualen. Sie entzündeten z.B. Dankes- und Freudenfeuer an spirituell wichtigen Orten. Um diese Feuer herum tanzten die Kelten dann ausgelassen – nur mit einem Lendenschutz bekleidet, manchmal auch ganz nackt, mit einer Mischung aus Beifuss, Eisenkraut und Rittersporn um die Hüften. Die Kräuter und der Tanz stehen für Fruchtbarkeit bei Mann und Frau. Damit wollten sie die Verbundenheit zur Natur zeigen und feiern. Laut Überlieferungen nahmen sie auch gewisse Kräuterextrakte zu sich, um sich in einen tranceähnlichen Zustand zu versetzen und ihre Bewusstseinsebene zu erweitern.

In den skandinavischen Ländern, wo es im Sommer kaum dunkel wird, sind die Traditionen und Rituale rund um die Sommersonnenwende noch lebendiger. Das Fest der Sommersonnenwende zählt in Schweden neben Weihnachten zu den wichtigsten Familienfesten des Jahres. Die Frauen tragen dort Blumenkränze mit Heilkräutern im Haar.

Auch werden die traditionellen Mittsommerstangen, die den Maibäumen ähneln, damit geschmückt. Mit Musik und Gesang sollen die guten Geister für einen ertragreichen Herbst herbeigerufen werden. Was hast Du für ein Sommersonnwend-Ritual?

Alles unterliegt dem Rhythmus des Wechsels

Die Sommersonnenwende läutet die Reifezeit ein, die Ernte wächst von nun an heran – astronomisch ist es der offizielle Sommerbeginn. Es ist ein heiliges Fest, das durchaus heiter und ausgelassen gefeiert wird. Zugleich ist es eine Zeit der Heilung – nun beginnt die Ruhe im Aussen, die es braucht, damit das, was gesät wurde und gut gewachsen ist, behütet reifen kann. Die wilde Kraft des Anfangs ist gezügelt und hat ihren Wachstumshöhepunkt erreicht. Aufgrund der nun beginnenden heissen Zeit ist das Feuer das beherrschende Element dieses Monats. Daher haben viele Rituale mit Flammen zu tun. Sie reinigen und ermöglichen einen Neuanfang. Damit alles gut reifen kann, braucht es ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Feuer (=Hitze) und Wasser. Die Sonne sorgt für Kraft, Wärme und Lebensenergie.

Der Mond hingegen war laut früherem Glauben für das Wachstum des Getreides, das Verhalten von Mensch und Tier, Ebbe und Flut, sowie für die Fruchtbarkeit der Frau zuständig. Steht die Sonne für das Feuer, so versinnbildlicht der Mond das Wasser. Die Sommersonnenwende zeigt den Höhepunkt der Macht und Kraft des Lichts im Tanz zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen den aufsteigenden und absteigenden Phasen von Sonne und Mond.

Zur Zeit des längsten Tages wollen wir an das 5. hermetische Gesetz erinnern, das Gesetz des Rhythmus. Dieses macht uns deutlich, dass alle Dinge wachsen und vergehen, vorwärts und rückwärts, zu- und abnehmend – d.h. in allen Dingen währt einen Rhythmus des Wechsels. Niemand wächst unendlich oder befindet sich immer auf dem Gipfel der Welle. Doch das Wissen um dieses Gesetz ermöglicht uns zu verstehen, wie man das Richtige zur richtigen Zeit und in Harmonie mit dem Fluss und Rückfluss des Lebens tun kann.

Lasst uns in den Sommer springen und tanzen!