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In den Wechseljahren tanzen die Hormone – tanzt du schon mit?

Nicht wenige Frauen leiden unter ihnen und sehen sie nahezu als eine Hormonmangel-Krankheit, die man therapieren muss. Dabei sind die Wechseljahre ein völlig normaler physiologischer Prozess. Diese Zeitspanne im Leben kann man mit einem Tanz der Hormone vergleichen. Wie auch in der Pubertät geraten die Hormone während den Wechseljahren ausser Gleichgewicht – die Hormone verschieben sich und die Balance fehlt. Der Körper benötigt während dieser Zeit besonders viel Aufmerksamkeit und Ruhe.

Entscheidender Wendepunkt

Bei den Wechseljahren handelt es sich um einen Übergang – einen Übergang von der fruchtbaren Zeit in die unfruchtbare Phase. Die fruchtbare Zeit beginnt in der Pubertät mit dem Eintreten der Menstruation und endet mit der letzten Monatsblutung. Die Wechseljahre stellen einen entscheidenden Wendepunkt im Leben dar. In der Fachsprache werden die Wechseljahre als «Klimakterium» bezeichnet. Dieser Begriff lässt sich aus dem griechischen «klimakter» herleiten und bedeutet so viel, wie Treppe, Stufe, Stufenleiter. Wie auf einer Stufenleiter durchläuft der Mensch nach der Auffassung der alten Griechen alle sieben Jahre eine Wandlung. Dem weiblichen Lebensabschnitt um die 49 herum wird dabei als besondere Entwicklungsstufe zugeschrieben. Stufe für Stufe steigen wir nach oben zu Reife und Vollendung. Die Wechseljahre heissen daher auch Stufenjahre. Dem entscheidenden Wendepunkt geht die abfallende Hormonproduktion der weiblichen Eierstöcke voraus. Ungefähr ab dem 40. Lebensjahr verringert sich die Produktion der Hormone Progesteron und Östrogen. Diese hormonelle Umstellung ist Auslöser für die körperlichen Veränderungen und trifft jede Frau. Trotzdem tanzen einige durch diese Jahre, während andere wiederum sehr leiden. Manche Frau, die in den unpassendsten Momenten die Sturmböen der Hormone und plötzlichen Hitzewallungen erlebt, mag sich fragen, was sich die Natur dabei bloss gedacht hat. Dabei ist diese rätselhafte Wandlungsphase in den mittleren Jahren einer Frau, einer der verblüffendsten und wunderbarsten Lebensabschnitte. Die Zeit der Wechseljahre ist für jede Frau so individuell, wie sie selbst.

Die drei Phasen der Wechseljahre

Während den Wechseljahren lassen sich drei bestimmte Phasen charakterisieren.

Prämenopause ist die Zeit vor der Menopause. In der ersten Phase der Wechseljahre, sinkt die Produktion des Hormons Progesteron aufgrund unregelmässiger Eireifung und ausbleibendem Eisprung. Deshalb kann der Zyklus in der Zeit vor der Menopause erst unregelmässiger werden und verstärkte oder abgeschwächte Blutungen können auftreten.

Die Perimenopause (zweite Phase) beginnt 1 bis 2 Jahre vor der letzten Menstruation und kann bis zu ca. zwei Jahre nach der letzten Menstruationsblutung dauern. Neben der Abnahme der Produktion von Progesteron geht auch die Produktion des Östrogens zurück. Besonders in dieser Zeit können vermehrt Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und weitere Beschwerden auftreten.

In der dritten Phase, der Postmenopause, welche nach der Menopause eintritt, klingen die meisten Beschwerden ab. Manche Frauen haben noch mit Wallungen zu kämpfen. Auch in dieser Phase nimmt die Produktion der Hormone weiterhin ab. Bis sie schlussendlich mit gut 65 Jahren ganz ausbleibt.

Die Veränderungen während den Wechseljahren begrenzen sich jedoch nicht nur auf die abfallende Hormonproduktion, parallel werden die Frauen mittleren Alters mit verschiedenen physischen und psychischen Veränderungen konfrontiert. Der Blick in den Spiegel zeigt plötzlich das erste graue Haar oder den nicht mehr ganz so knackigen Po. Und auch das Nachlassen der alten Kraft im Alltag bleibt nicht unbemerkt. Gedankenkreisen und Selbstvorwürfe tauchen auf, nicht genug aus dem eigenen Leben gemacht zu haben. Diese unerwarteten Entwicklungen sind eine Herausforderung, da sie das Vertraute zerstören und (noch) keinen Plan aufzeigen, ihnen zu begegnen.

«Change of Life» – Veränderungen im Leben sind schwierig, ehe wir in ihnen eine Chance sehen

Die körperlichen Veränderungen während den Wechseljahren erzwingen die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Das ist gar nicht immer so leicht, denn dieser Umbruch erfordert einen ganz neuen Umgang mit sich und dem eigenen Körper. Anders als freiwillige, erwünschte Veränderungen, bei denen wir aus eigenem Antrieb handeln, gehören die Wechseljahre zu den unfreiwilligen, unerwünschten Veränderungen. Wir haben uns diese Veränderungen nicht ausgesucht oder uns auf sie vorbereitet. Daher lösen solche Veränderungen Gefühle wie Angst, Abwehr oder gar Verzweiflung aus. Sei deshalb auch nachsichtig zu dir. Es ist nämlich ganz normal, wenn du auf die unfreiwilligen, unerwarteten körperlichen Veränderungen mit Auflehnung, Skepsis und Zweifel reagierst. Das ist die natürliche Reaktion des Menschen auf Veränderungen. So paradox es klingt, dienen Zweifel und Skepsis dem Zuwachs von Zufriedenheit und Stabilität in der Zeit nach dem Wandel. Sie weisen nämlich auf Fragen hin, die noch ungeklärt sind. Widerstand behindert jedoch die selbstbestimmte Gestaltung des natürlichen Veränderungsprozesses. Nicht wenig häufig hört man Aussagen wie «das Frauenschicksal ist ungerecht», oder «ich will so bleiben, wie ich war». Versuche vielmehr umzudenken und mache dir auch die Vorteile und neuen Freiheiten der Wechseljahre bewusst. Sehe die Wechseljahre als eine Chance!

Das ist auch gar nicht so weit hergeholt, denn im Englischen heissen die Wechseljahre »change of life«. Mit diesem Begriff verbinden wir Aufbruch und die Aufforderung aus engen Schuhen und Rollen hinauszuwachsen. Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen, sind von einer Aura innerer Souveränität umgeben und haben neue Facetten ihrer Persönlichkeit entwickelt. Sie sagen nicht mehr zu allem Ja und Amen, sondern gehen selbstbestimmt und selbstbewusst ihren Weg. Viel zu lange wurden die Wechseljahre, tabuisiert. Frauen schweigen aus Scham, wegen gesellschaftlicher Normen, Erziehung, Religion. Doch während man(n) in anderen Kulturkreisen den Frauen nach den Wechseljahren mit Achtung begegnet, sie als «weise Frauen» schätzt, wird diese Lebensphase in unserer Gesellschaft noch immer mit Mangel in Zusammenhang gebracht. Wir sollten so freimütig über die Wechseljahre reden, wie über Verhütung und Schwangerschaft! Die meisten Frauen meistern die hormonellen Veränderungen selbstbestimmt und ohne medizinische Hilfe. Meditation, Achtsamkeitstraining und Yoga können in Zeiten des Wandels dein Bewusstsein stärken und dich unterstützen deine Kräfte bewusst dorthin zu lenken, wo sie gebraucht werden. Bewegung, Ernährung und bestimmte Pflanzenzubereitungen können auftretende Beschwerden natürlich und sanft ausgleichen. Werde selbst aktiv und nutze die heutigen, vielfältigen Möglichkeiten, um selbstbestimmt und erfüllt diese wundersamen Jahre zu erleben!  

Die Pharmalobby mischt mit

Wie eingangs erwähnt, glauben viele, dass die Wechseljahre eine Krankheit ist und keinen natürlichen Ursprung haben. Diese Auffassung kommt nicht von ungefähr, denn Mediziner leisten einen wesentlichen Beitrag. Oft weisen Ärzte bei den Routineuntersuchungen Frauen mittleren Alters auf die Gefahren der Wechseljahre und des drohenden Östrogenmangels hin, «der zu schwerwiegenden Spätfolgen führt». Ungefragt werden den Frauen Hormone empfohlen, obwohl sie diese gar nicht wollen und sich pudelwohl fühlen. In der schulmedizinischen Ausbildung wird das Thema Wechseljahre meist nicht differenziert und ganzheitlich betrachtet. Der weibliche Organismus mit seinen hormonellen Schwankungen stellt ein potenzielles Gesundheitsrisiko dar. Die natürlichen Umbruchphasen einer Frau wie Schwangerschaft, Geburt und schliesslich die Wechseljahre bedürfen deshalb ärztliche Vorsorge und Kontrolle. So kommt es, dass seitens der Ärzteschaft und Pharmalobby viel zu viel Einfluss auf einen ganz normalen Lebensabschnitt gewonnen wurde. In ihrem verengten Blickfeld erkennen sie nicht, dass die Mehrzahl aller Frauen mit den Folgen eines längeren Lebens auch ohne Hormonpillen klarkommt. Besonders Mediziner, die ihre westlich geprägte Perspektive durch andere ergänzen, betrachten die Wechseljahre als vielschichtiges Thema und wissen, dass die zunehmenden Beschwerden nicht nur hormonell bedingt, sondern multifaktoriell zu betrachten sind.