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Mutter-Kind-Bindung: Die Grundlage für starke, glückliche Kinder

Die Mutter ist als primäre Bezugsperson in den ersten Jahren für die Entwicklung des Kindes von entscheidender Bedeutung. Wenn Kinder eine starke Bindung erfahren, fühlen sie sich sicher die Welt zu erkunden, denn sie wissen, dass es immer eine sichere Basis gibt zu der sie jeder Zeit zurückkehren können. Nun sollen Kinder immer früher fremdbetreut werden. U3, U1, vielleicht gibt es irgendwann sogar die Diskussion über U0, dass das Kind also vom ersten Moment fremd betreut werden muss – denn schliesslich braucht das Kind Bildung. Bei den ganzen Betreuungsdiskussionen geht es meistens um die Bildungsfrage. Doch wissen wir, dass Bildung ohne Bindung gar nicht möglich ist. Eine liebevolle Bindung zu unseren Kindern aufs Spiel zu setzen entspricht nicht nur gegen unsere zentralen Instinkte, sondern kann sich auch bei weiteren Entwicklungsschritten des Kindes negativ auswirken.

Die einzigartige Bindung zwischen Kind und Mutter

Die enge Bindung an die Mutter hat aus evolutionsbiologischer Sicht einen banalen Zweck, denn sie ist besonders in den ersten Jahren überlebenswichtig für ein Kind. Ein kleines Baby könnte ohne seine Mutter gar nicht überleben. Es braucht Nahrung, Fürsorge, Schutz, Zuwendung, Nähe und Liebe. Anders als die meisten Tiere, sind Neugeborene vom Menschen nach der Geburt für relativ lange Zeit völlig abhängig. Welche Rolle die Mutter-Kind-Bindung bei der späteren Entwicklung des Kindes spielt, war in der Bevölkerung nicht gleichermassen bekannt. Es war ähnlich, wie bei der Frühzeit der Seefahrt, wo man bestimmte Dinge nicht wusste und die Seeleute schwere Krankheiten, wie Skorbut, gekriegt haben. Deren Ursache konnte man sich gar nicht erklären, bis man merkte, dass wir bestimmte Nährstoffe, resp. bestimmte Vitamine benötigen, um nicht an Skorbut zu erkranken. So ist es auch bei den Kindern. Sie brauchen Bindung, sonst leiden sie unter Depressionen, Aggressionen, haben wenig Selbstvertrauen und fühlen sich unsicher. Unsichere Menschen neigen dazu anderen zu misstrauen und haben Probleme soziale Beziehungen aufzubauen. Eine innige Mutter-Kind-Bindung ist die Grundlage für starke, glückliche Kinder. Sie ist die erste und prägendste Bindung, die ein Kind in seinem Leben eingeht und beginnt schon bevor der kleine Mensch überhaupt das Licht der Welt erblickt. Wenn ein Baby geboren wird, haben Mutter und Kind bereits neun Monate intensiver Zweisamkeit verbracht. Das ist auch die Grundlage für ihre besondere Bindung.

Eine Mama kann vieles ersetzen, aber niemand kann eine Mama ersetzen

Während der Schwangerschaft lernt das Baby seine Mutter bereits kennen. Sie wissen, wie sich die Stimme ihrer Mutter anhört und waren es vom Mutterbauch gewohnt immer leichte Bewegungen und den Herzschlag der Mama zu fühlen. Neurobiologen haben herausgefunden, dass Babys am Geschmack des Fruchtwassers wissen, wie die Milch ihrer Mutter schmeckt – anders jedenfalls als die der andern und anders als künstliche Säuglingsnahrung wie Aptamil oder Milupa.

Nur die Mutter verfügt über die optimale Nahrung für ihr Baby, denn schliesslich ist es im Leib der Mutter herangewachsen. Nach der Geburt ist alles neu für den Säugling. Deshalb benötigt er vor allem die Nähe zur Mutter, die ihm Innigkeit und Vertrautheit entgegenbringt und Sicherheit vermittelt. Durch die intensive gemeinsame Zeit während der Schwangerschaft erwarten Neugeborene natürlicherweise von ihren Müttern, dass diese ihre lebensnotwendigen Bedürfnisse erfüllen. Von grosser Bedeutung ist auch die Phase einige Wochen nach der Geburt, in der sich im Hirn der Gesichtssinn konstituiert. In dieser Zeit wendet das Kind seiner Mutter – besonders beim Stillvorgang – das Gesicht vermehrt zu. Dies ist ein weiterer entscheidender Akt, die die Bindung des Babys an seine Hauptbezugsperson intensiviert. Diese Hauptbezugsperson stellt am besten die Mutter dar und sollte nicht ohne Not mit anderen Personen vertauscht werden. Die eigene Mutter ist in den ersten Jahren die Person, die den Entwicklungsprozess am nachhaltigsten fördern kann, denn ihre Nähe, ihre Präsenz entspricht den natürlichen Erwartungen des Kindes. Wenn diese Erwartungen nun allerdings fortlaufend gestört werden, indem es allein gelassen wird oder indem man es anderen Personen überlässt, so kann es zu schweren Angstanfällen kommen, die eine Erhöhung des Stresshormons Cortisol zur Folge haben. Bei wiederholten oder extrem starken Ängstigungen dieser Art kann sich der Cortisol-Spiegel sogar chronisch erhöhen und selbst noch im Erwachsenenalter eine Bereitschaft zu Dekompensationen, zu Panikattacken und Angstanfällen, führen.

Die Entwicklung zur bindungslosen Gesellschaft

Das Bedürfnis der Mutter nach Nähe zu ihrem Kind ist biologisch verankert und gehört zu den zentralen Urinstinkten des Menschen. Wenn wir die Geschichte des Familienlebens betrachten, sehen wir, dass räumliche und damit auch emotionale Distanz zwischen Eltern und Kinder immer stärker wurde. Zweihundert Jahre Industrialisierung und Technisierung haben dazu beigetragen, dass die Trennung von Mutter und Kind als selbstverständlich angesehen wird. Bereits im Mittelalter setzte sich die körperliche Distanz der Eltern zum Säugling durch. Damals predigte die Kirche aufgrund der Gefahr vor Ersticken und Erdrücken, dass Babys nicht im Elternbett schlafen sollten. Und auch Mediziner wiesen auf die Ansteckungsgefahr durch Mikroben hin, dass ein eigenes Kinderzimmer als wichtige Voraussetzung für die Gesundheit des Säuglings angesehen wurde. Solche Überlieferungen, die als Folge die Trennung von Mutter und Kind haben, finden bis heute statt.

In den heutigen Diskussionen geht es darum, dass die Kinder so früh wie möglich Bildung brauchen. Aber es ist Unsinn, bei Ein- und Zweijährigen den Bildungserfolg ausschliesslich vom Besuch einer Kindertagesstätte abhängig zu machen. Bindungsforscher und Neurobiologen sagen heute unmissverständlich: Kinder ohne Bindung haben schlechtere Bildungschancen. Kinder ohne Bindung lassen sich sozial schwerer integrieren und sind dann aggressiver und gewaltbereiter. Und Bindung entwickelt sich hauptsächlich bis zum dritten Lebensjahr im Umfeld ihrer Mutter; ihrer Eltern. Kinder brauchen verlässliche und vertrauensvolle Beziehungen. Sie geben ihnen die Sicherheit, die sie brauchen, um neugierig ihre Welt erforschen zu können, also zu lernen und sich weiterzubilden. Man kann also durchaus sagen, dass Bindung Bildung erst möglich macht. Babys aktivieren einen tief verwurzelten, natürlichen Impuls in ihren Müttern sie nahe bei sich zu haben und ihnen Schutz und bedingungslose Liebe zu geben. Gehen Mütter diesen Impuls nach entsteht eine innige Bindung, die selbstbewusste, glückliche und starke Kinder in die grosse weite Welt entlässt!