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Bärlauch – ein nahrhaftes Kraut mit Heilwirkungen direkt vor unserer Haustüre

Viel zu oft gehen wir an unseren heimischen Wildkräutern einfach vorbei, ohne uns bewusst zu sein, welch wunderbaren Vitalstoffquelle direkt vor unseren Füssen liegt!  Bekannt ist er für seinen charakteristischen knoblauchartigen Geruch, der bereits von der Ferne zu riechen ist. Bestimmt ist dir dieser Geruch auch schon einmal zum Frühlingsanfang auf deinem Waldspaziergang in die Nase gestiegen. Wir wissen, wenn es beim Spazierengehen nach Knoblauch riecht, dann muss da irgendwo Bärlauch in der Nähe sein. Bärlauch ist eines der bekanntesten heimischen Wildkräuter. Er ist ein Lauchgewächs und mit Schnittlauch, Zwiebeln und Knoblauch verwandt. Letztere ist sozusagen sein kultivierter Bruder, denn die beiden haben ähnliche Inhaltstoffen und ihre Wirksamkeit und Anwendungsbereich ist fast identisch. Bärlauch überzeugt nicht nur mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen, sondern ist gleichzeitig eine vielseitige und aromatische Zutat für viele Speisen.

Bärlauch schenkt Bärenkräfte

 Bärlauch ist in weiten Teilen Europas und Asiens heimisch. Er mag es gerne feucht und schattig und fühlt sich daher in unseren Laub- und Mischwäldern zuhause. Bärlauch zählt zu den ältesten Nutz- und Heilpflanzen in Europa. Bereits in der Mittelsteinzeit, 9600 bis 4500 v. Chr. wurde der Bärlauch gerne verzehrt. Auch die alten Germanen und Römern wussten den Bärlauch als Heilpflanze zu schätzen. Wie auch die spirituelle Heilerin und bekannte Kräuterkundige aus dem 13. Jahrhundert, Hildegard von Bingen, den Verzehr von Bärlauch bei Verdauungsproblemen, sowie als gutes Mittel zur Blutreinigung empfohlen hatte. Und auch der schweizerische Kräuterpfarrer, Johann Künzle, war ganz begeistert vom Bärlauch und schrieb im 19. Jahrhundert:

«Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut, wie der Bärlauch.»

Vielleicht hast du dich auch schon mal gefragt, woher der ungewöhnliche Name dieses Wildkrautes stammt. Allium ursinum (Lauch des Bären) oder eben Bär-Lauch soll der Sage nach die erste Pflanze sein, die Bären nach ihrer Winterruhe essen. Die alten Germanen glaubten, dass die Kräfte des Bären auf den Bärlauch übergehen und sie nach dem Verzehr der Pflanze auch so stark wie ein Bär sind. Mit der Wahl dieses Krauts hat der Bär eine ausserordentlich gute Wahl getroffen, um nach seinem langen Winterschlaf einen ordentlichen Vitamin- und Nährstoffschub zu bekommen. Lass uns doch einmal einen Blick auf die Vitalstoffe werfen, welche uns der Bärlauch liefert.

Bärlauch liefert dreimal so viel Vitamin C wie Orangen

Die Blätter des Bärlauchs liefern unzählige Vitaminen, Mineralstoffe und Spurenelemente, die für einen gesunden Organismus unerlässlich sind. Einige Vitalstoffe, die in relevanten Mengen im Bärlauch enthalten sind und zu den heilenden Inhaltsstoffen zählen, sind unten aufgelistet:

  • Kalium: Pro 100 g enthält der Bärlauch 336 mg Kalium. Dieser Mineralstoff stabilisiert nicht nur den Blutdruck, sondern ist auch essenziell wichtig für das menschliche Nervensystem. Denn nur wenn der Körper mit ausreichend Kalium versorgt ist, können die Muskeln richtig arbeiten.
  • Eisen: Bärlauch weist pro 100 g einen Anteil von 2,87 mg Eisen auf. Das Spurenelement dient zur Unterstützung eines starken und gesunden Immunsystems. Doch auch gegen Müdigkeit und Konzentrationsstörungen hilft Eisen. Als Bestandteil des menschlichen Blutes ist dieses Spurenelement für den Transport und die Speicherung von Sauerstoff zuständig und daher lebensnotwendig für den menschlichen Körper.
  • Vitamin A: Bereits mit 100 g Bärlauch ist ein Viertel (200 µg) des Tagesbedarfs an Vitamin A abgedeckt. Dabei profitiert nicht nur die Haut von dem Vitamin, sondern auch die Augen und das gesamte Immunsystem. Zudem besitzt das Vitamin A beim Eisenstoffwechsel einen wichtigen Stellenwert.
  • Vitamin C: Mit 150 mg Vitamin C pro 100 g Bärlauch ist die Heilpflanze eine wahre Vitamin C-Bombe! Damit lässt sich zu 150% den täglichen Bedarf eines Erwachsenen an Vitamin C decken. Möchten wir die gleiche Menge an Vitamin C über Orangen aufnehmen, müssten wir zweieinhalb Früchte bzw. 300 g Orangen essen! Bärlauch liefert dreimal so viel Vitamin C wie Orangen! Vitamin C wirkt immunstärkend, entgiftend, antibakteriell, antioxidativ und unterstützt das Immunsystem in seiner Arbeit. Es wirkt effektiv gegen Müdigkeit und Stress. Zusätzlich unterstütz das Vitamin C die Eisenaufnahme. So punktet der Bärlauch auch in dieser Hinsicht.

Die heilende Wirkung von Bärlauch

Der gesundheitliche Mehrwert von Bärlauch lässt sich aber nicht nur auf die enthaltenen Vitamine, Spurenelemente und Mineralien zurückführen, sondern Bärlauch enthält auch eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe (Willst du mehr über sekundäre Pflanzenstoffe wissen? Hier gehts zum Text-> https://www.lindarenmed.ch/2022/03/11/sekundaere-pflanzenstoffe-bringen-nicht-nur-mehr-farbe-ins-pflanzenreich/). Dazu gehört beispielsweise der grüne Pflanzenstoff Chlorophyll, welcher in relativ grossen Mengen in Bärlauch enthalten ist. Chlorophyll verbessert die Sauerstoffversorgung und die Blutbildung und unterstützt die Entgiftung von gesundheitsschädlichen Stoffen. Die entgiftende Wirkung des Bärlauchs lässt sich auf das unschlagbare Team von Chlorophyll und Vitamin C zurückführen.  Besonders bekannt ist auch die im Bärlauch enthaltene schwefelhaltige Aminosäure, Alliin, die durch ihren Schwefelgehalt ebenfalls entgiftend wirkt. Sobald die Blätter des Bärlauchs gepflückt oder geschnitten werden, wird Alliin in Allicin umgewandelt. Allicin ist auch für den typischen Bärlauch- bzw. Knoblauchduft verantwortlich. Insbesondere für seine keimtötende und antibakterielle Wirkung ist Allicin bekannt. Desweiteren führt Allicin zu einer Muskelentspannung in den Arterien, wodurch sich die Gefässe erweitern. Dadurch kann Allicin Blutdruckhochdruck entgegenwirken und senkt das Risiko der Entstehung von Arteriosklerose. Diese heilende Wirkung des Bärlauchs ist möglicherweise auch das wichtigste medizinische Anwendungsgebiet. Durch die präventive Wirkung von Bärlauch auf Arteriosklerose ist Bärlauch auf eine ganze Reihe von Zivilisationskrankheiten heilsam, denn viele Krankheiten stehen im engen Zusammenhang mit Arteriosklerose.

Achtung Verwechslungsgefahr!

Die Sammelzeit von Bärlauch ist im Frühling, je nach Höhenlage, zwischen März und Mai. Zu dieser Zeit kannst du das Heilkraut selbst pflücken. Aber aufgepasst: Denn es gibt mehrere Pflanzen, die sehr ähnlich aussehen, wie Bärlauch, aber stark giftig sind. Die Verwechslungsgefahr ist vor allem beim Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose gegeben. Besonders der Verzehr der Letzteren kann zu tödlichen Vergiftungen führen. Ein einziges Blatt kann schon reichen, dass dich unter Vergiftungserscheinungen, wie z. B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, leiden lässt. Das Verrückte ist, in der Natur können Maiglöckchen, Herbstzeitlosen und Bärlauch tatsächlich direkt nebeneinander vorkommen. Zum Glück gibt es einige nützliche Tipps, wie man Bärlauch von seinen beiden giftigen Doppelgängern unterscheiden kann:

  • Nur Bärlauch weist einen knobelauchartigen Geruch auf: Du kannst ein Blatt zwischen deinen Fingern reiben und daran riechen. Schmecken deine Finger nach Knoblauch, weisst du, dass es sich um Bärlauch handelt. Hast du jedoch bereits ein paar Bärlauchblätter geerntet, haftet der Knoblauchduft an deinen Händen und es stellt kein sicheres Unterscheidungsmerkmal mehr dar.
  • Befinden sich mehrere Blätter an einem Stängel, dann handelt es sich nicht um Bärlauch! Beim Bärlauch hat jedes Blatt einen eigenen Stängel. Maiglöckchen haben immer mindestens zwei Blätter an einem Stängel, wobei bei den Herbstzeitlosen der Stängel ganz fehlt.
  • Der Bärlauch besitzt eine leicht glänzende Blattoberseite und eine matte Blattunterseite –  im Gegensatz zu den Blättern der Herbstzeitlosen und Maiglöckchen, die auf beiden Seiten glänzen.

Damit der Bestand von Bärlauch nicht gefährdet wird, ist es wichtig, nicht die ganze Pflanze auszureissen, sondern mindestens zwei Drittel der Blätter einer Pflanze stehen zu lassen. So findest du auch im nächsten Frühjahr wieder genug Bärlauch. Nun, wo du weisst, wie Bärlauch von anderen Pflanzen zu unterscheiden ist, möchtest du bestimmt wissen, wie du Bärlauch verwenden kannst? Das würzige Aroma des Bärlauchs verleiht so manchen Speisen die besondere Note! So kannst du Bärlauch fein aufgeschnitten als Gewürz in Salaten oder Aufstrichen roh verwenden. Besonders von Vorteil ist die rohe Verwendung von Bärlauch für das hitzeempfindliche Vitamin C, aber auch für das enthaltene Alliin. Mit seiner reinigenden und desinfizierenden Wirkung auf den menschlichen Körper ist Bärlauch auch in Entgiftungskuren geeigneter Bestandteil. Beliebt ist auch ein aromatisches Bärlauchpesto oder Bärlauchspätzle. Der kulinarischen Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt! Der Einsatz von Bärlauch in der Küche ist ebenso vielfältig wie seine heilsame Wirkung. Diesem heimischen Wildkraut sollte definitiv mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden!