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Wie viel Gesundheit steckt in Rohkost?

Früher, zu unserer Zeit als nicht-sesshafte Nomaden, lebten wir Menschen vor allem von selbst gesammelten Früchten, Nüssen, Samen, Gemüse und Kräutern – alles natürlich ungekocht. Diese ursprünglichste Lebens- und Ernährungsweise verfolgen auch heute wieder viele Menschen. Der zugrundeliegende Gedanke ist dabei, dass beim Erhitzen wertvolle Nährstoffe und Enzyme verloren gehen. Warum sich dies nicht verallgemeinert auf alle Nährstoffe übertragen lässt, sowie weitere spannende Sichtweisen zu dieser rohköstlichen Lebensweise erläutern wir in diesem Bericht.

Beim Erhitzen gehen bestimmte Nährstoffe verloren

Rohkost wird meist ganz unbewusst gegessen: Obst essen wir nur selten erhitzt, ebenso bleiben Avocados und Nüsse ungekocht. Blattsalate zählen zur Rohkost, wie Samen (z.B. Kürbiskernen), Oliven, nicht erhitzte Öle, Wildkräuter und auch viele Gemüse – zum Beispiel Paprika, Tomaten oder Gurke – essen wir gern roh. Eine rohköstliche Lebensweise basiert auf der Annahme, dass durch zu starkes Erhitzen wichtige Nährstoffe, Enzyme und Vitamine zerstört werden. Wenn unsere Körpertemperatur auf über 40 Grad Celsius ansteigt überleben wir nicht. Diese Tatsache übertragen Rohköstler auch auf unsere Lebensmittel. Es werden nur Nahrungsmittel gegessen, die nicht über 42°C erhitzt wurden: Lebendige Systeme gehen beim Erhitzen über 42°C kaputt – man spricht in diesem Zusammenhang auch von Denaturierung der Eiweisse. Tatsächlich werden bei längerem Erhitzen manche Stoffe in unserer Nahrung zerstört, etwa Mikronährstoffe, wie Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe oder ungesättigte Fettsäuren. Beispielsweise verlieren eine heisse Zitrone oder gekochtes Gemüse schnell ihren Vitamin C-Gehalt. Denn das Vitamin C ist nicht hitzebeständig und wird bei 40 Grad zerstört. Auch die B-Vitamine, einschliesslich Folsäure, sind sehr hitzeempfindlich. Jedoch werden die Vitamine E und A und K besser aufgenommen, wenn das Lebensmittel erhitzt wurde. Neben Vitaminen sind in Nahrungsmittel natürlich auch noch andere Stoffe, die gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, enthalten. Beispielsweise Stoffe, wie Flavonoide, Anthocyane und Carotinoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind leicht flüchtig und werden durch Hitze zerstört. Wir können die gesundheitlichen Vorteile dieser Pflanzenstoffe (Schutz vor freien Radikalen) also nur über den Verzehr von Rohkost-Obst und Rohkost-Gemüse nutzen: https://www.lindarenmed.ch/2022/03/11/sekundaere-pflanzenstoffe-bringen-nicht-nur-mehr-farbe-ins-pflanzenreich/

Mineralstoffe und Spurenelemente sind hingegen hitzeresistent und werden beim Erhitzen nicht zerstört. Sie können aber ausgeschwemmt werden, wenn beim Kochen Wasser verwendet wird und dieses anschliessend abgeschüttet wird. Wählst du Garen oder Dämpfen als Kochmethode bleiben Mineralstoffe und Spurenelemente in Lebensmittel genauso enthalten, wie wenn du diese roh verzehrst. Beim Erhitzen gehen aber nicht nur einige Nährstoffe verloren, sondern es entstehen vermehrt auch giftige Stoffe, wie Acrylamid und verschiedene schädliche Fettstoffe.

Mehr Power durch Rohes!

Der Gehalt von einigen, aber nicht allen Vitaminen, reduziert sich beim Erwärmungsprozess. Ob sich der Mineralstoffgehalt verringert, kannst du mit der Wahl deiner Kochmethode selbst beeinflussen. Aber wenn es um die Aufnahme von sekundären Pflanzenstoffe geht, dann ist Rohes die bessere Wahl. Auch überzeugt Rohkost als Basis für ein ausgewogenes Säure-Base-Gleichgewicht. Rohkost wirkt stark ausleitend, was bedeutet, dass sie in deinem Körper vorhandene Schadstoffe und Schlacken bindet und heraustransportiert. Industriell verarbeitete Nahrung besitzen in den meisten Fällen Inhaltsstoffe, die säurebildend auf den Körper wirken. Die naturbelassenen, unverarbeiteten Lebensmittel der rohköstlichen Lebensweise können den Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht bringen und durch ihre hohe Nährstoffdichte dir neue Kraft schenken und einen Energieschub geben. Wer jetzt denkt, dass eine Rohkost-Ernährung bedeutet nur Salat und Gemüsesticks zu knabbern, hat sich geirrt. Auch Suppen, Salat, Wraps, ja sogar Süssigkeiten lassen sich roh zubereiten und in einer rohköstlichen Lebensweise integrieren. Es gibt viele Rohköstler die begeistert davon berichten, sich seit der Rohkost-Ernährung deutlich fitter zu fühlen und dass ihnen neue Power zur Verfügung steht. Starke Verfechter der rohköstlichen Ernährungsweise bringen viele Zivilisationskrankheiten in Zusammenhang mit gekochter Nahrung: Wenn man sich die Natur ansieht, stellt man fest, dass 1.8 Millionen Spezies der Erde sich alle von Rohkost ernähren. Nur wir Menschen kochen unsere Lebensmittel. Und nur wir Menschen leiden an Krebs, Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck u.v.m. Inwiefern solche chronisch degenerativen Krankheiten durch eine rohköstliche Ernährungsweise geheilt werden können, ist wissenschaftlich nicht gänzlich abgesichert. Unbestritten ist, dass eine Ernährung mit viel unverarbeiteten, naturbelassenen, ungekochten Lebensmittel gesundheitsfördernd wirkt.

Allerdings eignen sich auch nicht alle Lebensmittel zum rohen Verzehr!

Denn einige Lebensmittel enthalten pflanzliche Giftstoffe, beispielsweise Lektine, welche in rohen Zustand zu Unverträglichkeiten oder sogar Vergiftungserscheinungen führen können.

Lektine sind Glykoproteine und dienen für Pflanzen als natürliche Pestizide, um sich gegen den Verzehr zu wehren. Für Menschen sind die meisten Lektine nicht schädlich jedoch können einige toxisch wirken. Zu den lektinhaltigen Lebensmitteln zählen Getreide, inkl. Mais und Hülsenfrüchte, besonders Soja, Bohnen, Kichererbsen oder Linsen.

Rohes Getreide ist zudem auch wegen der enthaltenen Phytinsäure schwer verdaulich. Phytinsäure hemmt die Aufnahme von Spurenelementen und anderen wichtigen Nährstoffen. Daher empfiehlt es sich das Getreide zu schroten oder über Nacht einweichen zu lassen.

Andere Lebensmittel wiederum enthalten Solanin – ein Nervengift welches zu Magenbeschwerden und schlimmstenfalls zu Schädigungen des Nervensystems führen kann. Solanin ist häufig in Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln und Auberginen. In geringen Mengen auch in Paprika, Tomate und Gurke enthalten. Unreife Tomaten oder grüne Stellen in Kartoffeln enthalten besonders viel Solanin. Weil das meiste Solanin in der Schale und Samen enthalten ist, ist es ratsam Kartoffeln oder auch Tomaten vor dem Essen zu schälen. Unreife Auberginen enthalten besonders viel Solanin, daher ist es auch immer wichtig darauf zu achten, Auberginen erst zu verzehren, wenn sie reif sind.

Auch Oxalsäure, welche in Staudengemüse, wie z.B. Rhabarber vorkommt, kann in grösseren Mengen zu Vergiftungen führen. Darüber hinaus bindet sie Mineralstoffe, wie Magnesium und Kalzium, was in der weiteren Folge zu Nieren –oder Blasensteinen führen kann. Deshalb sollten besonders Menschen mit Nierenerkrankungen, Rheuma oder Gicht auf stark Oxalsäure-haltige Nahrungsmittel, zu welchen beispielsweise auch Spinat und Mangold zählen, verzichten. Spinat und Mangold solltest du übrigens nach dem Kochen nicht erneut aufwärmen, denn dann verwandelt sich das enthaltene Nitrat in Nitrit. Ein hoher Nitrit-Gehalt in Lebensmittel kann zu Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall führen.

Ein weiteres Lebensmittel, welches ungekocht nicht verzehrt werden sollte, ist die Holunderbeere. Holunderbeeren sind roh für den menschlichen Körper schädlich. Sie enthalten den Stoff Sambunigrin. Dieser Stoff kann Brechreiz, Durchfall oder auch Schüttelfrost auslösen. Es sind Temperaturen ab 80 Grad nötig, um das Gift abzutöten.

Ungekochte grüne Bohnen enthalten Phasin, das ist eine giftige Eiweissverbindung. Sie führt dazu, dass rote Blutkörperchen zusammenkleben, wodurch der Sauerstofftransport im Blut verhindert wird. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können die Folge sein.

Rohkost aus Sicht der traditionellen Chinesischen Medizin

Natürlich gilt auch aus Sicht der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Gemüse als sehr gesund. Jedoch wird alles Gemüse im Gegensatz zu einer rohköstlichen Ernährung gekocht. In der TCM spricht man gegartem Gemüse eine wärmende Wirkung zu. Diese Wärmezufuhr tut Magen und Milz gut – besonders im Winter. Rohes wirkt aus thermischer Sicht kühlend auf den Organismus und kann dadurch die Verdauung stören und den Menschen sogar krankmachen. Zudem geht die traditionelle chinesische Medizin davon aus, dass die Verdauung von Rohkost dem Körper sehr viel Energie raubt. Gekochte Nahrung gilt daher in der TCM als bekömmlicher. In der Ernährungslehre der TCM wird deshalb empfohlen nicht zu viel Rohes zu sich zu nehmen. Man empfiehlt, dass Rohes und Gekochtes individuell an jeden Menschen anzupassen.

Rohkost – Ja oder Nein?

Rohkost ist heutzutage wieder sehr im Trend. Dieser Trend, zurück zur ursprünglichsten Ernährungsweise, ist einerseits sehr begrüssenswert, anderseits soll man auch immer verschiedene Sichtweisen auf eine solch radikale Ernährungsweise betrachten und bedenken, dass sie nicht für Jedermann gleichermassen geeignet ist. Wer eine rohköstliche Ernährungsweise verfolgt, sollte seinen Körper genau beobachten: Leidest du nach Verzehr unter Blähungen, dünnen Stühlen, starker Müdigkeit oder fröstelst du, dann solltest du deine Ernährung überdenken. Bei einer Rohkost-Ernährung solltest du darauf achten, langsam zu essen und gründlich zu kauen. Denn je besser du kaust, desto einfacher kann dein Magen die Nahrung verdauen und die darin enthaltenen Nährstoffe aufnehmen und verwerten.